Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

9. Ziviler Ungehorsam
9.1. Literatur
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Klumpjan, Hans Dieter und Helmut

Thoureau mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

Reinbek (Rowohlt) 1986

In seinem Essay Resistance to Civil Government, das erst posthum den Titel Civil Disobedience erhalten hat, setzt sich der amerikanische Philosoph Henry David Thoureau (1817-1862) für gewaltfreien Ungehorsam gegen einen ungerechten Staat ein. Er berichtet darin auch von seiner Nacht im Gefängnis als Steuerverweigerer. Die Darstellung entspricht aber nicht den historischen Tatsachen. So hat Thoreau in Wahrheit nicht jahrelang die Steuer wegen des Mexico-Krieges verweigert, weil dieser erst zwei Monate vor seiner Verhaftung begonnen hatte. (S. 101) Verweigert hat er die Wahlsteuer von jährlich einem Dollar, der von vielen Bürgern nicht gezahlt und nur selten eingetrieben wurde. (S. 102)

Der Mensch war für Thoreau ein moralisches, aber kein soziales Lebewesen. Daher sollte der Bürger für seinen bürgerlichen Gehorsam sich ausschließlich an seinem Gewissen orientieren. (S. 110) Der Essay machte Thoreau später zu einem Patron des gewaltfreien Widerstandes, doch er selbst war keineswegs gewaltfrei. Im Essay selbst erörtert er die Frage der Gewaltfreiheit, läßt sie aber letztlich offen. (S. 111) Doch in späteren Texten rechtfertigt er auch den gewaltsamen Kampf gegen die Sklaverei und feiert einen Terroristen namens John Brown. (S. 115/119/120)