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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

7. Schulverweigerung aus Gewissensgründen
7.3 Rechtsprechung
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Verwaltungsgericht Schleswig
Urteil v. 28.07.1999 - 9 A 332/97 (91) -
NordÖR 2000, 166

Die Verweigerung der Gestattung von Fernunterricht durch ein von den Sieben-Tage-Adventisten betriebenes Institut unter Befreiung von der allgemeinen Schulpflicht kann die Glaubens- und Gewissensfreiheit der betroffenen Schüler und Eltern solange nicht verletzen als die öffentlichen Schulen frei sind von weltanschaulich-religiösen Zwängen, solange Raum für eine sachliche Auseinandersetzung mit allen religiösen und weltanschaulichen Auffassungen gewährleistet ist und dabei das Toleranzgebot beachtet wird. Eine solche Schule kann Eltern und Kinder, die eine bestimmte religiöse Erziehung erstreben, nicht in einen verfassungsrechtlich unzumutbaren Glaubens- und Gewissenskonflikt bringen, weil sie der elterlichen Erziehung genügend Raum belässt, dem Kind den individuell für richtig erkannten Weg zu Glaubens- und Gewissensbindungen zu vermitteln (so auch BVerfGE 41, 29, 52). Auch die Europäische Menschenrechtskonvention und deren Zweites Zusatzprotokoll stehen der Verweigerung der Gestattung von anderweitigem Unterrichtt insoweit entgegen. [pt]