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DAS GRUNDRECHT DER GEWISSENSFREIHEIT
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Dr. phil. Paul Tiedemann

7. Schulpflichtverletzung aus Gewissensgründen
7.2 Literatur
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Nina Coumont
Islamische Glaubensvorschriften und öffentliche Schule
ZAR 2009, 9-16

Der Beitrag befasst sich mit der Frage, inwieweit der Staat im schulischen Bereich zur Rücksichtnahme auf Glaubensvorstellungen muslimischer Schüler, Schülerinnen und Eltern verpflichtet ist. Die Autorin geht davon aus, dass bei entsprechendem Selbstverständnis das Verbot des islamischen Kopftuchs, des gesichtsverhüllenden Schleiers, die Pflicht zur Teilnahme am koedukativen Schulunterricht, die Teilnahme am koedukativen Sportunterricht, die Verwendung von Fotographien in Schulbüchern (insbesondere zum Sexualkundeunterricht), die Pflicht islamischer Mädchen zur Teilnahme an Klassenfahrten ohne männliche Begleitung sowie das Ausgesetztsein einer wertgebundenen Erziehung, die im Widerspruch zu islamischen Werten stehen kann (Erziehung zur positiven Einstellung zur Demokratie und zur Gleichberechtigung der Geschlechter) einen Eingriff sowohl in die Religionsfreiheit als auch in die Gewissensfreiheit der betroffenen Schüler und einen Eingriff in das Erziehungsrecht der Eltern darstellen kann. Sie geht davon aus, dass diese Eingriffe grundsätzlich gerechtfertigt werden können und untersucht im Einzelnen, in welchen Fällen das der Fall ist, in welchen nicht, wobei der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit die dominierende Argumentationsfigur darstellt. [pt]