Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

5. Berufsrecht und Gewissensfreiheit
5.2 Literatur
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Rüdiger Zuck
Nur ein Kopftuch? Die Schavan-Ludin-Debatte
NJW 1999, 2948

Der Autor schildert zunächst den persönlichen Hintergrund der Klägerin, deren Fall die Kopftuch-Debatte in Deutschland ausgelöst hat.

Dass die Eignung einer kopftuchtragenden Muslimin zur Beamtin am Neutralitätsgebot des Staates scheitert, kann man nur annehmen, wenn man das Kopftuch für ein starkes religiöses Symbol hält und ihm einen objektiven Erklärungsgehalt unterstellt, der auf religiöse oder politische Missionierungsabsicht hindeutet. Die Feststellung des religiösen Gehalts des Kopftuches ist jedoch sehr schwierig, weil es im Islam keine Autorität gibt, die insoweit für alle Gläubigen verbindlich sprechen könnte. Noch weniger kann man schließen, dass eine Muslimin, die ein Kopftuch trägt, damit politische Absichten verfolgt. Man ist also, wenn man sich nicht einfach auf die Selbstdeutung der Klägerin einlässt, auf Unterstellungen und Mutmaßungen angewiesen. Letztlich wird der Kopftuchträgerin damit zur Last gelegt, dass das Kopftuch missverstanden werden kann. Der Schutz der Freiheit fordert es, von mehreren möglichen Auslegungen die dem Betroffenen günstigste zu wählen. [pt]