Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

10. Sonstige Handlungen aus Gewissensgründen
5.2 Literatur
Zur Startseite


Johann Bader:
Darf eine muslimische Lehrerin in der Schule ein Kopftuch tragen?
Verwaltungsblätter für Baden-Württemberg 1999, 361

Eine Lehrerin darf in der Schule aus religiösen Gründen kein Kopftuch tragen. Dies widerspricht der grundsätzlichen Neutralitätspflicht des Staates und der negativen Bekenntnisfreiheit der Eltern und Schüler.

Das BVerfG hat zwar die Berücksichtigung christlicher Elemente im Bereich der profanen Fächer für zulässig erachtet. Dies aber nur, weil hiermit der prägende Kultur- und Bildungsfaktor anerkannt werde, wie er sich aus der abendländischen Geschichte herausgebildet hat. Eine vergleichbare Prägung ging vom Islam nicht aus.

Zu diesem Ergebnis kamen bisher auch alle Verwaltungsgerichte, die sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen hatten (OVG Hamburg NVwZ 1986, 406; BayVGH NVwZ 1986, 405; BVerwG NVwZ 1988, 937).

Das Kopftuch im Unterricht ist auch mit Art. 3 Abs. 2 GG unvereinbar, soweit der Staat danach die Aufgabe hat, die Gleichberechtigung der Geschlechter durchzusetzen. Denn im Kopftuch kommt eine religiöse Vorstellung von einem Frauenbild zum Ausdruck, das der Wertvorstellung der Gleichberechtigung grundsätzlich widerspricht.[pt]