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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

5. Berufsrecht und Gewissensfreiheit 5.2 Literatur
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Norbert Janz / Sonja Rademacher
Islam und Religionsfreiheit
Die religiöse und weltanschauliche Neutralität des Staates auf dem Prüfstand
NVwZ 1999, 706

Trotz der vom Grundgesetz her gebotenen religiösen Neutralität des Staates ist eine die Selbstdarstellung des christlich-abendländischen Traditionsbestandes im staatlichen Hoheitsbereich bisher meistens hingenommen worden. Zu Spannungen kommt es erst in jüngster Zeit dadurch, daß selbstbewußter gewordene Moslems unter Berufung auf die Religionsfreiheit die selben Möglichkeiten fordern. Dem kann nur dadurch begegnet werden, daß die Formel von der weltanschaulichen und religiösen Neutralität des Staates strenger ausgelegt wird, als das bisher der Fall war und auch der Schutzbereich des Art. 4 GG restriktiver aufgefaßt wird. Ein Schritt in diese Richtung war bereits das Kruzifixurteil des BVerfG. (BVerfGE 93, 1 = NJW 1995, 2477). In der Konsequenz einer solchen Restriktion liegt, daß weder einem christlichen Lehrer das offene Tragen christlicher Symbole noch einer moslemischen Lehrerin das Tragen des Kopftuchs im Schulunterricht gestattet werden darf. Denn in beiden Fällen entfaltet eine Kleidung, die religiöse Symbolkraft besitzt, gegenüber den Schülern eine Suggestionswirkung, die um so bedenklicher ist, als den Schülern in der staatlichen Pflichtschule die Möglichkeit fehlt, sich ihr zu entziehen. [pt]