Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

2. Steuerverweigerung aus Gewissensgründen
2.3. Literatur
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Pausch, Alfons/ Pausch, Jutta

Kleine Weltgeschichte der Steuerzahler.

Steueruntertanen - Steuerrebellen - Steuerbürger, Köln 1988

Der zweite Bildband der Reihe (zum ersten Band) widmet sich den zahlungsbereiten oder revoltierenden Steuerzahlern in der geschichtlichen Entwicklung vom Opfergeber, über den Fronpflichtigen und Leibeigenen bis zum modernen Steuerzahler.

1. Dabei wird bereits von Steuerverweigerungsfällen im Altertum berichtet. Die mosaisch-rabbinische Lehre habe den Steuerhinterzieher als Verletzer göttlichen Rechts angesehen und ihn dem Räuber gleichgestellt. Auch in Ägypten sei es z.T. zu organisierten Steuerstreiks durch Fronarbeiter in Form der Arbeitsverweigerung gekommen. In Griechenland hätten sich die Mitglieder des Attischen Seebundes gegen die Steuererhebungen der siegreichen Athener zur Wehr gesetzt. Die Bürgerkriege in den römischen Provinzen wären Folge der verschiedenen Besteuerung.

Gegen einzelne Steuerverweigerer ebenso wie gegen Völkerstämme, die ihren Tribut nicht zahlten, sei im allgemeinen hart durchgegriffen worden. In ähnlicher Weise seien die Maßnahmen der Steuerverweigerer bis zur Tötung des Steuerherrn gegangen. Als die freien Landpächter unter Diokletian ertragsunabhängige Steuern auferlegt bekamen und massenweise ihre gepachteten Ländereien aufgaben und steuerflüchtig wurden, habe dies zur Einführung der Leibeigenschaft geführt.

Dagegen sei es in der antiken Polis zu einer Art Selbstbesteuerung gekommen, die die Steuerzahler bereitwillig entrichtet haben sollen. Die Steuerlast sei durch Zölle und Preisbindung der Märkte auf Fremde abgewälzt worden.

2. Im Mittelalter habe sich der Widerstand gegen die Steuer in Form der Zehntverweigerung fortgesetzt. Anstelle des Wehrdienstes habe sich aufgrund der vielen Kriegsdienstverweigerer aus einem ursprünglichen Strafgeld eine Art regulärer Ersatzsteuer entwickelt.

Die Steuerzahlung sei später das Aufnahmekriterium als Staatsbürger einer Stadtgemeinde gewesen. Dort hätten sich Konflikte zwischen den kaufmännischen Patriziern und der Handwerkerschaft gebildet, da die Kaufleute ihre Steuern zum größten Teil auf andere abwälzten.

Steuerwiderstand wäre häufig mit politischem Widerstand gegen die privilegierten Stände oder religiös motiviertem Widerstand etwa wegen "unchristlichen Glaubensmißbrauchs" gegen die Kreuzzugs-, Ketzer und Türkensteuern verbunden worden.

3. Diese Widerstände hätten sich zu Beginn der Neuzeit noch verstärkt. In England, Amerika und in Frankreich hätten die Steuerwiderstände zu politischen Umwälzungen geführt. Auch in Deutschland sei der Weg zum wahlberechtigten Staatsbürger über Steuerunruhen der unteren Klassen gegenüber der absolutistischen Königsmacht und dem Großbürgertum bereitet worden.

Die Steuerreform nach dem ersten Weltkrieg habe die Lohn- und Einkommenszahler zu Trägern der Weimarer Republik gemacht. Gegen sie habe sich Hitlers Aufruf zum "allgemeinen Steuerstreik geben den heutigen Finanzbolschewismus" gewandt. In der Hitlerzeit sei der Steuerverweigerung mit der Veröffentlichung einer "Liste der säumigen Steuerzahler" begegnet worden.

Demgegenüber gewährleiste der moderne Staat der Bundesrepublik ein Höchstmaß an Einfluß auf die Steuergewalt in demokratischer, politischer Willensbildung, insbesondere in organisierter Form (Bund der Steuerzahler). In anderen europäischen Ländern habe diese Freiheit zur parteipolitischen Form der Steuerrebellion geführt. Gleichzeitig sei jedoch die Menge der Steuervorschriften zu einer verwirrenden Fülle angestiegen. (Zum dritten Band) hm