Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

2. Steuerverweigerung aus Gewissensgründen
2.3. Literatur
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Klumpjan, Hans Dieter und Helmut

Thoreau in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten

Reinbek (Rowohlt) 1986

Henry David Thoreau hatte vermittelt durch Mahadma Gandhi und Martin Luther King großen Einfluß auf die Bewegung des zivilen Ungehorsams und des gewaltfreien Aktion in den 60er Jahren.

In seinem Essay Resistance to Civil Government, das erst posthum den Titel Civil Disobedience erhalten hat, setzt er sich für gewaltfreien Ungehorsam gegen einen ungerechten Staat ein. Er berichtet darin auch von seiner Nacht im Gefängnis als Steuerverweigerer. Die Darstellung entspricht aber nicht den historischen Tatsachen. So hat Thoreau in Wahrheit nicht jahrelang die Steuer wegen des Mexico-Krieges verweigert, weil dieser erst zwei Monate vor seiner Verhaftung begonnen hatte. (S. 101) Verweigert hat er die Wahlsteuer von jährlich einem Dollar, der von vielen Bürgern nicht gezahlt und nur selten eingetrieben wurde. (S. 102)

Der Mensch war für Thoreau nach Ansicht der Autoren ein moralisches, aber kein soziales Lebewesen. Daher sollte der Bürger für seinen bürgerlichen Gehorsam sich ausschließlich an seinem Gewissen orientieren. (S. 110) Der Essay machte Thoreau später zu einem Patron des gewaltfreien Widerstandes, doch er selbst war keineswegs gewaltfrei. Im Essay selbst erörtert er die Frage der Gewaltfreiheit, läßt sie aber letztlich offen. (S. 111) Doch in späteren Texten rechtfertigt er auch den gewaltsamen Kampf gegen die Sklaverei und feiert einen Terroristen namens John Brown. (S. 115/119/120) pt