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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

1. Gewissensfreiheit allgemein
1.2. Juristische Literatur
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Hans Michael Heinig / Martin Morlok
Von Schafen und Kopftüchern. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit in Deutschland vor den Herausforderungen religiöser Pluralisierung
JZ 2003, 777

Gerichtlich ausgetragene Streitigkeiten mit religiösen Bezügen lösen höchte öffentliche Aufmerksamkeit aus. Das hängt damit zusammen, dass solche Streitigkeiten eine besondere Bedeutung für die kulturelle Selbstverständigung einer Gesellschaft haben, eine Bedeutung, die letztendlich auf den Gründungsmythos moderner Staatlichkeit als Instrument der Stiftung religiösen Friedens zurückzuführen ist.

Die aktuellen Herausforderungen, die durch die religiöse Pluralisierung der Gesellschaft und durch das Auftreten religiöser Fundamentalismen ausgelöst werden, hat in der juristischen Literatur zu einer starken Tendenz geführt, entgegen der bisherigen Rechtsprechung des BVerfG den Schutzberich des Art. 4 GG einzuschränken und die Einschränkbarkeit des Grundrechts zu erleichtern. Gegenüber beiden Ansätzen melden die Autoren Widerspruch an. Sie plädieren für ein einheitliches Grundrecht der Religionsfreiheit und wenden sich gegen dessen "Parzelierung" in das Glaubensrecht, das Bekenntnisrecht und Recht der Religionsausübung. Sie plädieren weiter dafür, den Bwegriff der Religion allein vom Selbstverständnis des Betroffenen her auszulegen. Religion in diesem Sinne sei jede Gewissheit über bestimmter Aussagen zum Weltganzen sowie zur Herkunft und zum Ziel des menschlichen Lebens oder darauf bezogene Zweifel. Die Versuche der Konstruktion eines Gesetzesvorbehaltes für Art. 4 GG werden zurückgewiesen. Schließlich legen die Autoren dar, dass auf dieser Basis für alle bekannten Konfliktfälle befriedigende Ergebnisse erzielt werden können. [pt]