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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

1. Gewissensfreiheit allgemein
1.2. Juristische Literatur
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Ulrich K. Preuß
Artikel 4 Grundgesetz
In: Rudolf Wassermann (Hrsg.): Kommentar zum Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Bd. 1 S. 419ff.
Neuwied/Darmstadt [Luchterhand] 1984

Das Schutzgut der Gewissensfreiheit ist nicht die personale Identität oder die Würde der Person, noch Prinzipien objektiver Sittlichkeit, sondern die gewissensbezogenen sozialen Beziehungen der Individuen. Sie dient der kommunikativen, sozialbildenden Funktion für gesellschaftliche Minderheiten und verbietet deren Diskriminierung. (Rn 36)

Wer im Gewissen nur ein Steuerungsmedium der Persönlichkeit zur Erhaltung ihrer Identität sieht, wird dem Schutzzweck der Gewissensfreiheit nicht gerecht, weil er die durch die Gewissensfreiheit zu regelnden Konflikte auf den Bereich existenzieller Entscheidungssituationen verengt und sie der Normalität der sozialen Bindungen entzieht. (Rn. 37)

Das Gewissen ist ein psychologisches Phänomen, die Instanz des Individuums, in der es die für es verbindlichen Verhaltensnormen seiner gesellschaftlichen Bezugsgruppe oder der Gesellaschaft insgesamt verinnerlicht worden sind. Das Gewissen ist kognitiv das Bewusstsein von Normen, d.h. von Pflichten sich selbst und anderen gegenüber, affektiv die gefühlsmäßige Bindung an diese Normen mit der Konsequenz "Schmerzhafter Empfindungen" im Falle ihrer Verletzung durch das Individuum selbst und schließlich sozio-psychisch die Integration dieser Normen zu einem (lebensgeschichtliche Brüche nicht ausschließenden) konstanten Bestandteil der Persönlichkeit. (RN 38)

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