Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

1. Gewissensfreit allgemein
0.3 Geistesgeschichtliche Literatur

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Jan A. Aertsen
Einleitung: Die Entdeckung des Individuums
in: Jan A. Aertsen / Andreas Speer, Individuum und Individualität im Mittelalter
Berlin/New York ( Walter de Gruyter) 1. Aufl. 1996

Persona bedeutet in der Antike Maske. Sie zeigt, welche Rolle ein Mensch in der Gesellschaft spielt. Person-sein war also das Gegenteil von Selbst-sein. Den Bedeutungswandel hat die christliche Christologie eingeleitet mit ihrer Lehre von der Trinität. (dazu Theo Kobusch, Die Entdeckung der Person 1993). Um verständlich zu machen, wie die Vereinigung der göttlichen und der menschlichen Natur in einem Subjekt zu denken ist, griffen die Theologen den antiken Person-Begriff auf, der jetzt eine neue Bedeutung erhält. So definierte Boethius in seinem Werk "De duabus naturis" die Person als Einzelsubstanz der vernunftbegabten Natur. Personalität besteht also in der Vernunftbegabung. Als vernunftbegabtes Wesen hat der Mensch die Möglichkeit der Wahl. Er wird nicht einfach durch die Umwelt zu einer Handlung bestimmt, sondern ist Herr seiner Handlungen. Die Würde der Personalität ist die Freiheit. Daraus folgt, daß die Person ein moralisches Wesen ist, denn die Grundlage der Moral ist die Freiheit (S. XVI).