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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

0. Gewissensfreiheit allgemein
0.3 Geistesgeschichtliche Literatur
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Lezius, Friedrich
Der Toleranzbegriff Lockes und Pufendorfs. Ein Beitrag zur Geschichte der Gewissensfreiheit
Leipzig 1900 (Aalen 1971)

1. Der erste Teil stellt die Lehre John Lockes von der Gewissensfreiheit und der Kirchenfreiheit dar. Je ein Kapitel ist dem Toleranzbegriff und seinen Grenzen bei Kirche und Staat gewidmet. Dabei stellt er fest, daß Locke die Intoleranz gegenüber den Intoleranten postuliert. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der umfangreichen Kritik an Lockes Toleranzbegriff. Er schließt mit der Beurteilung: "Lockes Stärke ist auch seine Schwäche. Die grossartige weitherzige Milde, womit er jeder noch so bornierten Sektenbildung unbedingte Duldung zu erkämpfen sucht, ist erkauft mit einer Blindheit für die Kulturzwecke des Staates, mit einer Verkennung seiner Pflicht, für die christliche Volkserziehung zu sorgen, welche verhängnisvoll geworden sind." (56)

2. Im zweiten Teil geht Lezius der Lehre Samuel Pufendorfs über die Freiheit des Individuums und die staatliche Kirchenhoheit nach. Pufendorfs Toleranzbegriff stehe in lutherischer Tradition. Im Unterschied zu Locke sei er für die Staatskirche und gegen die Freikirchen. Das habe dazu geführt, daß der deutsche Toleranzbegriff im 18. und 19. Jahrhundert sich nicht mit dem freikirchlichen Sektierertum auseinandergesetzt habe. "Darum ist die Toleranzpolitik des deutschen Staates im Grunde aus dem Banne der reformatorischen Intoleranz nicht heraus gekommen. ... Die Deutschen, mögen sie Christen oder Unchristen sein, ehren das Menschenrecht zu irren und sich zu separieren nicht in dem Umfange, wie es die Reife christlicher und menschlicher Sittlichkeit erfordert." (115)

Als Ergebnis hält Lezius fest, daß weder Locke noch Pufendorf "das Problem, wie kirchliche Autonomie und die Staatspflicht der Kulturpflege zu vereinigen seien, zu lösen vermocht" hätten. (114) hm