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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

0. Gewissensfreiheit allgemein
0.2 Theologische Literatur
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Wolfgang Stegemann
Gewissen und Biblisches Zeugnis als grundlage politischer Aussagen des Christen, christlicher Gruppen und kirchlicher Leitungsorgane
- Was heißt "Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen?" (Apg 5,29) -
in: Nickel/Sievering (Hrsg.): Gewissensentscheidung und demokratisches Handeln
Arnoldshainer Texte - Band 29
Frankfurt/M [Haag + Herchen] 1984

Die clausula petri ("Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen") in Apostelgeschichte 5,29 ist ein fast wörtliches Zitat aus der Apologie des Sokrates. (S. 30) Dort heißt es (apol 29d): "Aber ich will lieber dem Gotte als euch gehorchen, und solange ich atme und die Kraft dazu habe, nicht ablassen, zu philosophieren, euch zu mahnen ..." (S. 30)

In beiden Fällen liegt dem keine individuelle Abwägung zwischen konfligierenden moralischen Normen zugrunde, bei der das moralisch jeweils höhere Recht präferiert wird (S. 33), vielmehr handelt es sich um einen Loyalitätskonflikt. Wie auch immer sich die Apostel entscheiden, eine Pflicht zum Gehorsam müssen sie brechen. Das Gewissen ist hier also nicht ein Gerichtshof, vor dem sich die Forderungen des Staates im Zweifelsfall zu verantworten hätten. Die Apostel empfinden sich als Werkzeuge Christi, die keinen eigenen Entscheidungsspielraum haben. (S. 35)

Im Sinne der clausula petri ist das christliche Gewissen ganz und gar nicht frei. Die Apostel haben keine Gewissensentscheidung getroffen, sondern folgen einer höheren Gehorsamsbindung. (S. 36)