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Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

0. Gewissensfreiheit allgemein
0.1 Philosophische Literatur
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Gerhard Funke
Gutes Gewissen, falsches Bewußtsein, richtende Vernunft (1971)
in: Jürgen Blühdorn (Hrsg.): Das Gewissen in der Diskussion
Darmstadt ( WBG) 1. Aufl. 1976

Das Gewissen ist ein besonderes Bewußtsein, das Bewußtsein, das sich selbst richtet. Dies unterscheidet es vom Verstand, denn dieser beurteilt nicht sich selbst, sondern anderes. Das Gewissen sagt dem Menschen nicht, was im Einzelfall gut oder böse ist, sondern es erinnert daran, daß das Gute zu tun und das Böse zu lassen ist. Die Entscheidung, was gut und was böse ist, trifft der Verstand. Daß der Verstand diese Entscheidung fällt (nicht wie er sie trifft), darüber urteilt das Gewissen als richtende moralische Urteilskraft. (S. 281) Das Gewissen ist eine Tatsache, nicht eine Obliegenheit oder Pflicht. Ein irrendes Gewissen gibt es nicht, nur einen irrenden Verstand. Gewissenlosigkeit ist kein Mangel an Gewissen, sondern ein Hang, sich an dessen Urteil nicht zu kehren. (S. 282) Die Vernunft prüft mit Hilfe des kategorischen Imperativs, was im Einzelfall Pflicht ist. Das Gewissen prüft nur, ob diese Prüfung angemessen erfolgt oder nicht. (S. 283) [pt]