Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

0. Gewissensfreiheit allgemein
0.1 Philosophische Literatur
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Norbert Matros
Das Selbst in seiner Funktion als Gewissen (1967)
in: Jürgen Blühdorn (Hrsg.): Das Gewissen in der Diskussion (S. 187-251)
Darmstadt ( WBG) 1. Aufl. 1976

Bevor der Mensch handeln kann, trifft er bereits eine Vor- oder Grundentscheidung, wobei er nur zwei Alternativen hat, nämlich die Annahme der Wertordnung des Seienden oder ihre Verkehrung. (S. 189) Das Wissen um diese Vorentscheidung ist das Gewissen als Mit-sich-selbst-Wissen, d.h. als echtes Selbstbewußtsein. (S. 193)

Das Gewissen ist kein Organ, kein Subjekt, das um Gut und Böse weiß, sondern das Wissen um die Vorentscheidung. (S. 201/203). Das Gewissen ist kein Verstandesurteil (S. 203), sondern eine besondere Funktion des Selbstbewußtseins. (S. 205) Das Gewissen der Menschen ist daher nicht gleich, denn es besteht weder aus einem Gebotskatalog, noch aus angeborenen Prinzipien oder dem Kategorischen Imperativ. Wie der Mensch in seiner personalen Einmaligkeit sein soll, das ist ihm nur durch das Selbstbewußtsein erschlossen, nicht aber in allgemeinen Sätzen. (S. 206) Das Gewissen setzt nicht die Kenntnis sittlicher Ge- und Verbote voraus. (S. 207) Es ist vielmehr abhängig von "der intuitiven Erfahrung des ontologischen Sinnes des Seienden im geistigen Akt durch dessen emotionales Moment." (S. 213) Das schlechte Gewissen signalisiert ein "Uneinssein mit sich selbst" (S. 247) [pt]