Inhaltsliste
Das Grundrecht der Gewissensfreiheit
Eine bibliographische Datenbank
herausgegeben von Dr. iur. Paul Tiedemann

0. Gewissensfreiheit allgemein
0.1 Philosophische Literatur
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Helmut Kuhn
Begegnung mit dem Sein. Meditationen zur Metaphysik des Gewissens (1954)
in: Jürgen Blühdorn (Hrsg.): Das Gewissen in der Diskussion
Darmstadt ( WBG) 1. Aufl. 1976 S. 162ff

Im Gewissen werden wir einer verletzten Ordnung gewahr. Der durch das Gewissen ausgelöste Prozeß ist auf Wiederherstellung dieser Ordnung gerichtet. Das, was verletzt wird, ist die Zuordnung von Personen. Die Ordnung verletzt zu haben heißt daher, ein Leben gestört, Vertrauen enttäuscht, Gefühle verletzt, einen Appell überhört zu haben. (S. 162) Im Gewissen erfahre ich Verantwortung gegenüber anderen, letztlich gegenüber Gott, nicht aber Verpflichtung gegen mich selbst. Jede Ethik der Selbstformung und Selbstverantwortung setzt sich dem Einwand des Egoismus aus. (S. 168)

Thomas von Aquin hat richtig zwischen conscientia und synderesis unterschieden. In der synderesis ist das unfehlbare Wissen gegeben, daß das Gute getan und das Böse vermieden werden muß. Irren kann nur die conscientia, sofern als sie zu erkennen hat, was Gut und Böse ist. (S. 175) [pt]